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Der Anfang vom Erwachsenwerden

Ich hab ja eben gesagt vielleicht bis später. Jetzt ist wohl später...

Und wie gesagt es ist nicht alles traurig oder schrecklich aber das jetzt ist es. Passiert ist es glaube ich 1987 und geschrieben hab ichs 2009. Wahrscheinlich würde ich es jetzt anders machen, aber egal, es ist mein erster richtiger Eintrag und es werden noch einige folgen. Und es wird noch witziger Kram dabei sein, versprochen

 

Als meine Großmutter starb war das für mich das Ende einer unbeschwerten Kindheit und der Beginn des anstrengenden Restes meines Lebens. Ich war 10 und im ersten Halbjahr der sechsten Klasse. Zu der Zeit nannte man die 5. und 6. Klasse noch Orientierungsphase und danach wurde entschieden ob man reif genug für die Realschule war und dort bleiben durfte. Bis zum Tod meiner Oma hatte ich eine typische Kindheit in den 80ern auf einem Dorf im Sauerland erlebt. Wir konnten im Winter Schlitten fahren und im Sommer lange draußen spielen, egal ob Hüppelkästchen, Gummitwist oder sind auf unseren Discorollern die Straße runter gesausst. Damals gab es nämlich noch keine Inlineskates sondern wir hatten richtige Rollschuh. Unsere Eltern fuhren einmal im Jahr mit uns in den Urlaub nach Tirol, Italien oder Spanien. Doch als Oma starb änderte sich einfach alles.

Sie war schon ungefähr 4-6 Wochen krank zuhause gewesen doch die Erwachsenen sagten meinem Bruder und mir nicht was sie hatte, sie war halt krank. Eines Tages wollte ich vom 1. Stock in unserem Haus ins Dachgeschoss in das Zimmer gehen das ich mit meinem Bruder teilte da hörte ich zufällig ein Gespräch meines Vaters mit seiner jüngsten Schwester. Sie standen im Erdgeschoss vor der Wohnungstür meiner Oma. Ich verhielt mich ganz still damit sie mich nicht bemerkten und da fiel dann das Unheil verkündende Wort: Krebs! Da einer unserer Nachbarn daran gestorben war wusste ich das es ein schreckliche Krankheit ist die meist tödlich endet. Die Unterschiede der einzelnen Krebsarten kannte ich natürlich nicht. Aber geschockt war ich trotzdem, und sehr enttäuscht das uns Kindern nicht die Wahrheit gesagt worden war, schließlich mussten auch wir uns irgendwie darauf vorbereiten das Oma sterben würde und wollten uns von ihr verabschieden. Bei nächster Gelegenheit erzählte ich es meinem Bruder der genauso entsetzt war wie ich, irgendwie konnten und wollten wir es aber nicht so recht glauben da sie doch immer da war und wir uns nicht vorstellen konnten das sie bald für immer weg sein sollte. Um ganz sicher zu gehen beschlossen wir nach ein paar Tagen unsere Eltern darauf anzusprechen die ehrlich bestürzt waren und uns fragten wie wir darauf kamen. Nach kurzem Zögern gab ich zu das ich Papa und Tante Lene unbeabsichtigt belauscht hatte. Sie sagten zwar das man das nicht darf, waren aber auch nicht ernstlich böse mit mir und erklärten uns was mit Oma war. Was sie uns nicht sagten und mir auch erst später bewusst wurde war das sie zuhause und nicht im Krankenhaus war weil eine Behandlung zwecklos war. Sie war praktisch zum sterben zuhause.

Eine ganze Weile brachte ich ihr Mittags immer das Essen runter das meine Mutter für sie mitgekocht hatte, bis es mir verboten wurde. Ich durfte nicht mehr zu ihr, was ich nicht verstand weil ich doch die letzten 4 Wochen jeden Tag bei ihr war. Es hieß sie bräuchte Ruhe weil es ihr schlechter ging. Meine Cousine allerdings, die Tochter der jüngsten Schwester meines Vaters, durfte zu ihr. Obwohl sie genauso alt wie mein Bruder war, also 3 Jahre älter als ich. Das verstanden weder er noch ich und wir nervten unsere Eltern damit. So lange bis sie uns erklärten das Oma sehr sehr schwach ist und sehr stark abgebaut hatte, das heißt sie wollten uns den Anblick ersparen weil sie meinten wir wären nicht stark genug dafür, unsere Cousine aber schon. Wir fanden das zwar ungerecht aber mussten uns natürlich fügen, wir hätten uns niemals getraut uns heimlich rein zu schleichen. Ich gewöhnte mir an wenn ich von der Schule kam zu fragen wie es ihr geht und bekam immer die gleiche Antwort: „Unverändert.“

An einem Montag auf dem Heimweg von der Schule im Bus fiel mir dann auf das ich vor dem Wochenende das letzte Mal gefragt hatte und bekam ein schlechtes Gewissen, worauf hin ich mir fest vornahm das es das erste wäre was ich meine Mutter fragen würde wenn ich sie zuhause sah. Als ich rein kam saugte sie gerade unsere Treppe. Wir hatten einen furchtbaren grünen Teppichboden auf den Stufen, wahrscheinlich noch aus den 70ern, denn er lag da so lang ich mich erinnern kann und liegt dort noch heute. Aber da ich es mir vorgenommen hatte platzte ich mit der Frage heraus noch bevor die Tür zu war und ich meinen Tornister abgelegt hatte. „Wie geht’s eigentlich Oma? Ich habe schon so lange nicht mehr gefragt!“ Meine Mutter stellte den Staubsauger ab, drehte sich zu mir um und sagte nur mit einem sehr traurigen Gesicht: „Oma ist tot.“ „Was? Wie? Ihr wart doch gestern noch unten bei ihr!“ „Sie ist heute Nacht gestorben. Papa, ich und die anderen waren noch mal bei ihr und haben uns von ihr verabschiedet.“ Dann platzte aus mir raus das sie ja gar nicht mehr mitbekommen würde ob ich in die 7. Klasse versetzt würde. Sie hatte sich immer dafür interessiert wie es bei uns in der Schule läuft. Meine Mutter quittierte diese Bemerkung mit einem gequälten Lächeln und meinte sie wird wissen ob ich versetzt werde oder nicht.

Ich konnte es nicht fassen das sie nachts gestorben war und ich ganz normal zur Schule gegangen war, mir liefen die Tränen über die Wangen. Meine Mutter nahm mich in den Arm um mich zu trösten was ich bereitwillig geschehen ließ. Machte mich dann aber los und fragte warum sie uns das nicht morgens schon gesagt hätten und ob mein Bruder es schon wusste. Was sie wegen meinem Bruder sagte weiß ich heute gar nicht mehr, nicht mal ob er schon zuhause war oder länger Schule hatte als ich. Das Einzige an das ich mich erinnere war das meine Mutter antwortete sie hätten uns das vor der Schule nicht sagen wollen damit wir ganz normal zur Schule gehen könnten, die nächsten Tage würden noch schwer genug für uns. Irgendwie war ich sauer auf meine Eltern deswegen, aber die Trauer um meine Großmutter überwog und dann weinte ich richtig. Ich setzte mich auf die zweite Treppenstufe und heulte hemmungslos. Als ich mich beruhigt hatte ging ich mit meiner Mutter nach oben in die Küche.

Danach erinner ich mich nur noch verschwommen an die Vorbereitungen für die Beerdigung die ein paar Tage später stattfinden sollte. Als ich gefragt wurde ob ich sie noch mal sehen möchte lehnte ich ab, ich konnte mir nicht vorstellen eine Leiche zu sehen und wollte sie so in Erinnerung behalten wie ich sie kannte. Irgendwer hatte beschlossen das ich die Kerze von der Kapelle auf dem Friedhof zum Grab hinter dem Sarg hertragen sollte und mein Vater fragte mich ob ich das machen würde. Ich sagte ja, auch wenn mir nicht ganz wohl dabei war.

An die Trauerfeier in der Kapelle erinner ich mich auch nicht mehr, allerdings an die kleine Prozession zum Grab während dessen ich die ganze Zeit versuchte meine Tränen zu unterdrücken. Als alles vorbei war, war ich sehr froh wieder zuhause zu sein, allerdings gab es noch einen kleinen „Leichenschmaus“ in Omas alter Wohnung mit Kaffee und Schnittchen. Ich bekam nichts runter und ging in mein Zimmer. Meine Cousine, die die Oma noch sehen durfte bevor sie starb hatte mir zuvor meine erste Bon Jovi Kassette gegeben die sie mir aufgenommen hatte. Die hörte ich mir relativ laut an bis mein Cousin kam und mir sagte das sei nicht so passend, aber ein bisschen leiser wäre in Ordnung.

Ein paar Wochen später habe ich von ihr geträumt. In diesem Traum bin ich aus einem anderen Traum aufgewacht und hatte schreckliche Angst, unter anderem weil ich wusste das meine Eltern nicht da waren und mein großer Bruder auf mich aufpassen sollte. Also weinte ich und rief nach meinem Bruder, nach ein paar Mal rufen kam dann auch jemand die Treppe rauf in unser Kinderzimmer. Allerdings nicht mein Bruder sondern meine Oma! Ich bekam noch mehr Angst weil ich ja wusste das sie tot ist. Sie kam zu mir, nahm mich in den Arm und sagte das alles gut sei, es ihr gut ginge und sie doch gar nicht tot sei, sie würde doch vor mir sitzen! Daraufhin wurde ich wirklich wach und war zuerst ziemlich verstört. Am nächsten Morgen erzählte ich den Traum meiner Mutter und sie hat mir dann gesagt das ich mich nicht fürchten muss wenn ich so was träume weil Oma immer bei mir ist und auf mich aufpasst und sie wollte mir nur mitteilen das bei ihr alles gut ist und es ihr jetzt besser geht als vorher als sie noch krank war.

Das ist alles was ich noch im Zusammenhang mit dem Tod meiner Oma noch weiß und im Nachhinein erscheint es mir so als wäre das der Anfang von allem schrecklichen gewesen was danach noch in meinem Leben passierte. Vor allem hatte ich das Gefühl wäre sie nicht gestorben hätten meine Eltern sich nie getrennt und mein Leben wäre komplett anders verlaufen.

22.8.14 23:27
 
Letzte Einträge: Hi, bin die Elli und jetzt öfter hier, ich bleib zuhause, wenn ich mal groß bin, Eier! Wir brauchen Eier!, Urlaub


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